"Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: Die Deutschen glauben sie."

Dieses "Napoleon" zugeschriebene Zitat hat unser Interesse geweckt. In einer Zeit der Denkmalstürmerei und der "modernen" Geschichtseinteilung in Kindergartenform - Gut und Böse - werden häufig auch Zitate einschlägig seriösen Stellen zur Überprüfung vorgeführt. Vorallem die deutschen Dichter des 18. und 19. Jahrhunderts daraus häufig Grund zur Klage. So zum Beispiel der berühmte Friedrich Schiller, der wohl nun als "demokratiegefährdent" anzusehen ist. Schrieb er doch, und das ist belegt, folgendes:

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn.
Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
um Brot und Stiefel seine Stimm' verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen.
Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.


Ein eindeutiger Spruch gegen die demokratischen Werte unserer Republik. Aber vielleicht doch zum Nachdenken anregend, wenn sich in dem einen oder anderen bundesland die Verlierer der Wahl zusammentun, um doch noch irgendwie ihre Posten zu behalten?

Doch Schillers Aussage betrifft nicht nur unser Land, vorallem aber auch nicht den Charakter unserer Bevölkerung. Die scheint dagegen aber Napoleon recht genau erfasst zu haben, als er (vermeintlich) meinte: "Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: Die Deutschen glauben sie." Was zunächst an Parolen sogenannter "Querdenkern" oder "Klimaleugner" erinnert, kommt aber in der Realität noch deutlicher zum Ausdruck. Denn das "Zitat"  paraphrasiert einer Überprüfung Sätze eines fiktiven Napoleon-Textes aus dem Jahr 1814 von Joseph Görres, der später stolz war, dass auch Leute aus dem Umkreis Napoleons seinen agitatorischen Text, "Napoleons Proclamation an die Völker Europas vor seinem Abzug auf die Insel Elba", für echt hielten (Goerres, 1854, S. 379).

Bei genauer Betrachtung des Wortlautes aber, steht nicht mehr Napoleon als angeblicher Schöpfer des Werkes im Interesse, sondern tatsächlich die Aussage aus dem Jahr 1814. Was einiges betrifft, scheint sich weder das Volk noch der Staat einen einzige Tag weiterentwickelt zu haben.

"Gegen Teutschland hab ich vor Allem zuerst den Blick gewendet. Ein Volk ohne Vaterland, eine Verfassung ohne Einheit, Fürsten ohne Charakter und Gesinnung, ein Adel ohne Stolz und Kraft, das Alles mußte leichte Beute mir versprechen. Seit Jahrhunderten nicht vertheidigt, und doch in Anspruch nicht genommen: voll Soldaten und ohne Heer, Unterthanen und kein Regiment, so lag es von alter Trägheit einzig nur gehalten. Zwiespalt durfte ich nicht stiften unter ihnen, denn die Einigkeit war aus ihrer Mitte längst gewichen. Nur meine Netze durft ich  stellen, und sie liefen mir wie scheues Wild von selbst hinein. Ihre Ehre hab ich ihnen weggenommen, und der meinen sind sie darauf treuherzig nachgelaufen. Untereinander haben sie sich erwürgt, und glaubten redlich ihre Pflicht zu thun. Leichtgläubiger ist kein Volk gewesen, und thöricht toller kein anderes auf Erden. Aberglauben haben sie mit mir getrieben, und als ich sie unter meinem Fuß zertrat, mit verhaßter Gutmüthigkeit mich als ihren Abgott noch verehrt. Als ich sie mit Peitschen schlug, und ihr Land zum Tummelplatz des ewigen Kriegs gemacht, haben ihre Dichter als den Friedensstifter mich besungen."
"Die thörichte Mißgunst, womit sie sich untereinander angefeindet, hab ich zu meinem Gewinnste wohl gehegt; immer haben sie mehr Verbitterug gegeneinander als gegen den wahren Feind. Affen sind sie seit lange schon gewesen, und so haben sie auch meine Größe nachgeäfft."


Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: Die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wahren Feinde."


Lernen aus der Geschichte

"Der Rittmeister von Brunnow, im Dienst Sr. Majestät des Königs von Preussen und Ritter des Ordens für das Verdienst, welcher die Ehre hat, das Detachement zu kommandieren, das gestern Abend die Stadt Halle für höchst gedachte Se. Königliche Majestät von Preussen in Besitz genommen hat, fordert die Bürger und Einwohner von Halle hierdurch dringend auf, sich ruhig zu verhalten, allen Zusammenlauf und alle Exzesse, von welcher Art sie auch seyn mögen, zu vermeiden, die einmal bestellten obrigkeitlichen Personen zu respectieren, und sich ihren Anordnungen zu fügen, das Weitere aber von eigenen Verfügungen höchstgedachter Sr. Königl. Majestät ruhig zu erwarten. Er versichert hierbey, , das es der väterliche Wille und Wunsch Sr. Majestät des Königs von Preussen sey, eine Stadt und ein Land, das allerhöchst Denselben am Herzen liegt, nicht durch bürgerliche Unordnung zu Grunde gehen zu sehen, das Allerhöchst Dieselben vielmehr nur die ruhigen Bürger achten und lieben, und gegen dienigen, die dem entgegen handeln, selbst eine unerbittliche Strenge ausüben werden.

Ich erwarte also hierüber bey den Einwohnern von Halle Gehör zu finden, so lieb ihnen ihr angebeteter Souverain, der König von Preussen ist.

Halle, am 4ten May 1809"



Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen

Heinrich Heine: Gedichte 1853 und 1854

Mag jeder seine eigene Auslegung finden - wir wünschen viel Spaß und gute Unterhaltung.

Wir Bürgermeister und Senat,
Wir haben folgendes Mandat
Stadtväterlichst an alle Klassen
Der treuen Bürgerschaft erlassen.

Ausländer, Fremde, sind es meist,
Die unter uns gesät den Geist
Der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Gottlob! sind selten Landeskinder.

Auch Gottesleugner sind es meist;
Wer sich von seinem Gotte reißt,
Wird endlich auch abtrünnig werden
Von seinen irdischen Behörden.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
Die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude
Sobald es dunkelt, Christ und Jude.

Wo ihrer drei beisammen stehn,
Da soll man auseinander gehn.
Des Nachts soll niemand auf den Gassen
Sich ohne Leuchte sehen lassen.

Es liefre seine Waffen aus
Ein jeder in dem Gildenhaus;
Auch Munition von jeder Sorte
Wird deponiert am selben Orte.

Wer auf der Straße räsoniert,
Wird unverzüglich füsiliert;
Das Räsonieren durch Gebärden
Soll gleichfalls hart bestrafet werden.

Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.



Vielleicht haben Otto Kermbach und Alexander Flessburg den Lockdown schon vorhergesehen

"Kinder halt' die Luft an, wir stehn vorm Ruin ..."

Einfach mal reinhören. Und bevor einer irgendwelche "Vermutungen" hat - Otto Kermbach war mit Sicherheit kein "Brauner"


Hausarrest für Corona

"Fantastische Ideen" unserer Politiker

Folcht  nagnag demnächst nagnag

und dann gibt es auch hier Text und viel Geschnatter