Die AGRA-Brücke

Für die einen ist es ein langgezogener Schandfleck und anderen ist sie egal. Sie ist bequem, machen wir uns da nichts vor, für alle die nicht mit der S-Bahn oder dem Fahrrad schnell die um sich "greifende" Stadt Leipzig erreichen wollen. Die Alternativen ist die Koburger oder die Bornaische Straße. Alternativen die sich allenfalls durch die Menge und Qualität ihrer Schlaglöcher auszeichnen. Zukünftig soll ja ein Tunnel das Problem lösen, nun ja ...

Eine interessante Aufnahme des AGRA-Parks aus den 30er Jahren, als Consul (Konsul) Herfuth wohl noch das "Weiße Haus" bewohnte.

Die historische Aufnahme zeigt deutlich das alte Wegenetz durch den Park, den noch nicht umgestalteten See mit Brücke, den damals noch unveränderten Verlauf der Pleiße mit ihrer Auenlandschaft, sowie  (oben) den "Turmblick" am Herrenhaus Raschwitz, die Raschwitzer Straße sowie das Holzbrücklein, das damals der Gothesteig und Übergang nach Lösnig war,

Auch wenn die Brücke "umstritten" ist, hat sie doch seit Mitte der 80 Jahre vielen Menschen den Weg zur Arbeit leichter gemacht. Ebenso den Weg zum Vergnügen, das es damals, in der Vor-Lock-Down-Zeit mit Hausarrest, Ausgangssperren und Kulturblockade noch gab. Es ist also logisch, sich bei der Brücke mit ein paar besonderen Fotos zu bedanken.

Auf dem Mittelstreifen der AGRA-Brücke mit B2 in Richtung Leipzig

Auf dem Mittelstreifen der AGRA-Brücke mit B2 in Richtung Borna

Ein Blick unter die Brücke in Richtung Leipzig

Der Mittelstreifen von unten


PRO und Contra pro agra-PARK e.v.

Das wir uns oben bei der Brücke "bedankt" haben, werden die Unterstützer/-innen des Tunnelvorhabens wohl mit ärgerlich zusammengezogenen Augenbrauen quittieren. Zur Besänftigung sollen deren Argumente an dieser Stelle natürlich auch zu Wort kommen. Für's erste mit dem im Park aufgestellten Schild, das wohl die wichtigsten Argumente enthält. 

Auf der Website des Vereins können Interessierte eine Menge von Argumenten für die Tunnellösung nachlesen.

Logischerweise gibt es auf dieser Seite keine Abwägung von Argumenten oder gar eine pro und contra Liste. Die Seite soll ja auch nur die Interessen des Vereins vertreten und erhebt keinen Anspruch auf Objektivität.

Für alle die nicht wissen, was unter FFH zu verstehen ist, sei es hier kurz erklärt: es handelt sich um Fauna-Flora-Habitat, die (oder das?) wie alles in der EU richtliniert ist - und zwar in einer Richtline 92/43/EWG oder kurz in einer FFH-Richtlinie... Noch Fragen?

Wir haben welche. Auch wenn wir die Bestrebung nach einem schönen und gepflegten Park ohne Schnellstraßentrasse nachvollziehen können, bleibt bei jedem Spaziergang über das Gelände im Bereich der Stadt Markkleeberg (Raschwitzer Straße bis zur Brücke) doch der Eindruck verwahrloster Lieblosigkeit zurück.

Das macht besonders deshalb einen schlechten Eindruck, da zu den prominentesten Unterstützern des Tunnelprojektes der OBM der Stadt Markkleeberg selbst  zählt und der leipziger Teil der Anlage (besagte böse B2-Brücke bis an die Bornaische Straße) erheblich gepflegter erscheint.

Schild fotografiert - mit nachträglicher Beschriftung einer besonders kreativen Person


In der sicheren Gewissheit, dass das Vorhaben so oder so bereits beschlossen oder abgelehnt ist und das es völlig Wurscht ist, was "The little man" sagt oder denkt. Für den Fall, das der Tunnel kommt oder sagen wir lieber: dass das Bauvorhaben beginnt (denn das Ende wird wohl kaum jemand erleben, der heute schon Sauerstoff oxidiert), sollten wir uns auf einiges gefasst machen. Unter anderem wäre gut zu wissen,

  • wann es losgehen sollte
  • wie lange nach der ersten/zweiten/dritten (usw.) Planung die Baumaßnahmen dauern sollen
  • wie Baufahrzeuge und Baumaschinen in die AGRA geleitet werden
  • auf welchem Wege Abraum abtransportiert wird
  • welche Umverlegung der Pleiß angedacht ist
  • wie der Hochwasserschutz während und nach den Baumaßnahmen gewährleistet werden soll
  • was an Bestand des Parks noch geschliffen werden soll
  • auf welcher Ersatzstrecke der morgendliche/abendliche Berufsverkehr von und nach Leipzig für viele Jahre erfolgen soll
  • auf welche Ersatzstrecke der Verkehr von den Autobahnen für viele Jahre umgeleitet werden soll
  • wie hoch die Kosten geplant werden und um das wievielfache sie letztlich überschritten werden sollen
  • ob der Park nach dem Bau ein wenig Pflege erhält
  • und - die Frage ist immer wieder gut in Anbetracht von Elbphilharmony und BER - ob ausnahmsweise ein Unternehmen für eklatante Mängel haftet oder ob diese auch noch vom Steuerzahler zu tragen sind.

Auch wenn die Schilder an bessere Zeiten für den Park erinnern - Pflege ist zu teuer, ein Tunnel nicht