Gaschwitz - Eisenbahnbrücke und Bayerischer Hof

In die Hände gefallen ist uns dieses Bild aus Gaschwitz, entstanden um die Jahrhundertwende. Mit diesem Bild wurde auch unser Interesse angeregt, sich den Gaschwitzer Bahnhof einmal etwas näher anzuschauen. Diese Punkte folgen in den nächsten Tagen. Einen Hinweis möchten wir aber schon vorher geben: Bevor das heute noch stehende und arg ramponierte Bahnhofsgebäude gebaut wurde, fand der Zustieg der Passagiere direkt an der Brücke statt, die bis vor wenigen Jahren noch existierte und aus extrem haltbaren Stahl konstruiert war, wie die Brücke in Großstädteln. Heute ist sie ersetzt durch einen schmucklosen und rein funktionalen Bau aus Beton. Doch folgt man dem Schachtweg (von Großstädteln nach Gaschwitz) kann man an dessen Ende folgendes erblicken:

Was zunächst bedeutungslos aussieht, erhält historischen Geschmack durch eine Zeitreise in das Jahr 1900, als diese Brücke der Ankunftspunkt für hunderte Ausflügler (Wie sagt man das gendergerecht? "Ausflügelnde"?) war, die sich ihren freien Sonntag in der schönen alten Harth vertreiben wollten.

Links neben der Lokomotive, direkt an die Treppen gebaut, befand sich das erste Lokal "am Platze", der Bayerische Hof. Um diesen Anblick zu verdeutlichen borgen wir uns einmal die Geschichtstafel der Stadt Markkleeberg (Standort vor dem heutigen Bahnhof Gaschwitz), der das Etablissement noch besser abbildet. Auf die Quelle des Bildes würden wir gern verweisen, sie ist mit "privat" beschrieben und wohl eine Leihgabe.


Großstädteln - Bahnhof

Und noch einmal zieht es uns zurück an den Beginn; nach Großstädteln. Uns ist ein Bild in die Finger geraten, das die alte metallene Brücke "aus Kaisers Zeiten" zeigt, bevor die U- oder S-Bahn ihren Weg unter die Erde nahm.

Im Hintergrund ist das Bahnhofsgebäude noch vollständig intakt zu erkennen. Vorn die stählerne Brücke, die jahrzehnte lang auch endlose Kohlezüge aus den Tagebauen aushielt, ohne nachzugeben. Da sie wohl auch noch weitere 100 Jahre ausgehalten hätte, wurde sie auch durch ein modernes Bauwerk ersetzt, das im gleichen Zeitraum wohl mit europäischen Fördermitteln zweimal erschaffen werden kann.


Oetzsch - Hauptstraße vs städtelner Straße

Um Verwirrungen und/oder Verwechslungen vorzubeugen, die heutige HAUPTSTRASSE hatte in der Vergangenheit verschiedenste Namen. Der logischste ist der älteste - die Straße führt nach "Städteln" - also "Städtelner Straße". So blieb sie bis in die zwanziger Jahre benannt; bis die heutige "Zöbigker Straße" diesen Namen bekam. Und so wurde sie zum ersten Mal Hauptstraße. Mit den Nazis wurde sie umbenannt, der Name ist auf manchen alten Karten noch zu finden und soll hier nicht genannt werden. Bei den Kommunisten hieß sie "Thälmannstraße" und nach der Umkehr '89 wurde sie abermals "Hauptstraße".

Auf dieser Straße, zwischen den Kreuzungen Wald- und Auenstraße, befindet sich ein vor der Jahrhundertwende erbautes Haus, das heute wieder wundervoll hergerichtet ist, aber vor geparkten Autos und belaubten Bäumen kaum noch auffällt.

Immer wieder beeindrucken die Dimensionen mit denen man noch vor 100 Jahren auf die "Skyline" von "Oetzsch blicken konnte. Hier ein Bild von den "Städtelner Wiesen" gesehen, s/w-Foto, nachcoloriert, von etwa 1910.

Blick auf die Städtelner Wiesen, von denen damals die Aufname gemacht wurde. Heute befinden sich dort in erster Reihe Einfamilienhäuser und dahinter Kleingärten. Die eigentlichen "Wiesen" verloren ihre Funktion als Auenlandschaft, als die Pleiße (im Zuge der Tagebauvorbereitung und des Hochwasserschutzes) in den 60er und 70er Jahren verlegt wurde.

Das auf der alten Postkarte so markante und schöne Gebäude heute. Leider gibt es bei uns nur dieses "Schneefoto", ...


Oetzsch - die Hauptstraße damals und heute

Wer die Hauptstraße vom Goethesteig in Richtung Großstädteln entlangspaziert, muss irgendwann einmal auf die Kreuzung zur Rathausstraße treffen. Dort hat er diesen Blick vor sich:

Durch Zufall, der ja immer mitspielt, stießen wir vor einigen Wochen auch auf eine Aufnahme aus den 20er Jahren.

Wobei es zum verzweifeln ist - was zum Teu... haben die Fotografen damals für Objektive benutzt, um diese Winkel hinzubekommen?


Waldstraße

natürlich in Markkleeberg. Folgendes Bild hat uns zum grübeln gebracht. Wo (zum T.....) gibt es in Oetzsch eine Straße, die direkt zum Wasserturm ausgerichtet ist.

Straßenszene Oetzsch um 1910 Bildquelle: "Markkleeberg Geschichte und Wandel" Seite 71

Hinweis in eigener Sache: Da das Bild bereits im genannten Buch veröffentlicht war und es um die 110 Jahre alt ist, hoffen wir, nicht gegen die Datenschutzrichtlinien zu verstoßen, wenn wir den abgebildeten Personen nicht die Gesichter verpixeln. Sollte Ururgroßmutter Gertrauden dennoch auf dem Bild feststellen, das ihr angetrauter Heinrich 1910 ein von ihr nicht genehmigtes Treffen mit seinen Kumpels hatte, kann sie sich per E-Mail an uns wenden.

Straßenszene Markkleeberg (Oetzsch) 2021  eigenes Werk

Am 4. Februar 2021 ist es uns dann gelungen, die Ecke ausfindig zu machen, an der vor 110 Jahren der Fotograf ebenfalls stand. Das der Winkel nicht identisch ist, bitten wir nachzusehen, beim heutigen Verkehr ist es fast unmöglich direkt auf der Straße zu stehen. Zur besseren Vergleichbarkeit haben wir das Bild auch in s/w dargestellt.

Es handelt sich um die Kreuzung Hauptstraße / Waldstraße mit Blick in die Waldstraße

Straßenszene Markkleeberg (Oetzsch) 2021  eigenes Werk

Und hier noch eine Umfeldperspektive:



Krähenfeld noch unbebaut

Ein Blick auf das Krähenfeld aus dem Mai 1993. Der Blick zeigt etwa die heute Freifläche zwischen den Straßen "Am Kähenfeld" und dem "Amselweg". Bei genauer Betrachtung des Rückspiegels lassen sich die Baukontainer für den Bau des heute so bekannten Hotels "Markkleeberger Hof" erkennen, schräg gegenüber neben dem neu erschlossenen Baugebiet "Brücol". Die Häuser im Hintergrund stehen an der "Hermann-Müller-Straße".

Ich ärgere mich mächtig, das ich damals nicht ausgestiegen bin und den Film durchgeknippst habe. Es wäre die letzte Erinnerung an die ehemaligen riesigen Felder gewesen.


Der letzte Rest

Das letzte dokumentierfähige Überbleibsel der DDR Poliklinik Markkleeberg, am "Gautscher Platz" ist wohl diese halb überwachsene Straße, die ehemalige Zufahrt zum Ärztehaus, das 2016 abgerissen wurde. Leider ist nirgendwo ein Foto aufzutreiben, wie die Polikinik in Funktion aussah.

Aus den derzeitig mal geltenden Datenschutzgründen das ergänzende Fußfoto des Pflasters, in der Hoffnung, die Schuhe nicht mit verpixeln zu müssen.