Gautsch - Kees'scher Park

Bevor man sich den Park genauer anschaut, wollen wir hier einige Hintergundinformationen darstellen. Dazu schauen wir uns einen Auschnitt aus dem Bebauungsplan der Stadt Markkleeberg aus den Jahren 2009/10 an, der recht gut den Zustand nach Ende der DDR widerspiegelt. Für alle die mehr dazu lesen möchten, finden den gesamten Plan hier.

AUSZUG AUS: Bebauungsplan „KEESSCHER PARK - STADT MARKKLEEBERG“
Begründung:  Stand 30.04.2009 - redaktionell geändert: 20.01.2010

Bebauungsplan Seite 3 und 4 sowie die Karte aus Seite 5
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1.2. Bebauung und Nutzung, Denkmalschutz
... Nachdem sich bereits die Gemeinden Markkleeberg, Gautzsch und Oetzsch zusammengeschlossen hatten, kamen 1934 auch Großstädteln, Zöbigker, Cospuden und Prödel hinzu. Im gleichen Jahr wurde Markkleeberg das Stadtrecht erteilt. In den letzten Jahren wurden noch die Orte Gaschwitz und Wachau eingemeindet.
Die Stadt war noch Mitte des 20. Jahrhunderts eine nahezu ideal angelegte Stadt in einer weitgehend natürlichen Landschaft, etwa zwei Drittel des Stadtgebietes waren Waldungen, Parkanlagen, landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzte Flächen.
Einschneidende Veränderungen traten zwar schon mit dem Rückgang der Landwirtschaft Anfang des 20. Jahrhunderts ein, waren aber nicht so bedeutend wie der Flächenaufkauf durch kohleveredelnde Betriebe. Mit Tagebauaufschlüssen und Erweiterungen mussten ganze Ortschaften umgesiedelt werden, die Bevölkerung wuchs, aber die nutzbaren Gebiete wurden geringer.
Der Keessche Park hat in seinem Ursprung in der „Gautzscher Wasserburg“ des 11. Jahrhunderts. Nach dem Verfall des Rittertums begann die Wandlung zum Gut. Das Grundgerüst der Parkanlage wird auf die Anlage aus dem 18. Jahrhundert zurückgeführt. Im Jahr 1885 fiel Walter Kees das Rittergut Gautzsch zu. Durch ihn wurde eine umfangreiche Neugestaltung vorgenommen. Er lässt vorhandene Gebäude nach seinem Geschmack erneuern, in der Architektur ist nun neben dem Klassizismus hauptsächlich der neobarocke Stil zu finden. Das Herrenhaus mit seinem Wirtschaftshof / -gebäuden, der Burgkeller(Eiskeller) und die Orangerie waren bereits vorhanden. Neu errichtet wurde ein „Museum“(Mausoleum) gegenüber der Orangerie und verbunden mit ihr durch die mit Rotbuchen betonte Querachse. Brücken als neue Architekturelemente kamen hinzu: Terrinenbrücke, Kandelaberbrücke, Blumenschalenbrücke. Blumenschalen, Blumentröge, Bänke und zwei von Zisternen gespeiste Wasserfontänen gehörten zur Ausstattung des Parks, der von einer Klinkermauer umgeben war. Neu errichtet wurden auch Tore, von denen das Adlertor noch erhalten ist. Auf Grund der hohen Aufwendungen für die Erhaltung der Anlage, für die spätere Eigentümer kaum Interesse aufbrachten, begann nach dem Tod Walter Kees (1906) der Verfall der Anlage. Im I. Weltkrieg konnte die Orangerie wegen der erschwerten wirtschaftlichen Situation nicht mehr unterhalten werden. Wind, Wetter und unsachgemäße Nutzung beschleunigten den Verfall. Das Museum wurde wenig später abgetragen. Die Umfassungsmauern zerfielen. 1938 bot die Erbengemeinschaft KEES der Stadt Leipzig das Gut zum Verkauf an. 1940 erwarb die Stadt Leipzig das Grundstück. In der Folge wurde das Herrenhaus als Altenheim, Hilfskrankenhaus, später als Krankenhaus genutzt. Die Parkanlage hatte sich diesen Nutzungen unterzuordnen und wurde zum Teil erheblich verändert. Diese Nutzung endete um 1990.
Seit der Auslagerung jeglicher Nutzungen aus dem Parkgelände verstärkte sich der Verfall, so dass heute die Parkanlage und alle noch erhaltenen historischen Bebauungen(Herrenhaus, Mittelteil der Orangerie, Brücken usw.) stark sanierungsbedürftig sind. Der dominante Bau des Parkgeländes war immer das Herrenhaus mit einer Gesamthöhe von fast 19,00 m über Parkwegen.
Ebenfalls sehr parkprägend war die bogenförmige Anlage der Orangerie / Palmenhaus, dessen Kopfbau (Mittelbau) heute noch vorhanden ist. Wie auf dem beigefügten Kartenausschnitt gut erkennbar ist, befand sich nördlich des Ringrabens oberhalb, des Wintergartens / Palmenhauses auf der Höhe des Adlertors, noch eine Bebauung(Orangerie), die in die Umfassungsmauern des Gutes integriert war und den Abschluss des Gutsgeländes bildete.


Der Eingang zum Park


Eine kleine Gegenüberstellung der Jahre 1930 und 2021.

Eine Brücke ist noch vorhanden, wenn auch erneuert und sehr vereinfacht; wahrscheinlich irgend ein DDR-Typenbau. Ansonsten ist, wie man selbst bei einem Besuch im Park in Augenschein nehmen kann, kaum noch etwas von der Umgestaltung des Herrn Erich Walter Jakob Kees (1864 - 1906) vorhanden, der den Park samt Gautsch zu seinem 21. Geburtstag geschenkt bekam. Wie schön er den Park gestaltete, kann man hier nachlesen.

1911 - In diesem Bild taucht abermals die Brücke auf. Allerdings VOR dem Herrenhaus. Ist das die künstlerische Freiheit des Postkartenmaler gewesen, der Brücke und Haus vertauscht hat, oder gab es eine zweite Brücke?

2021 - Die Wiese ist der ehemalige Standplatz des Herrenhauses. Leichtes Kratzen mit den Schuhen bringt noch einiges an  Resten hervor. Erkennbar aber ist die Brücke, die in direkter Nähe zur Kirche liegt, und nicht wie auf dem Postkartenbild dahinter.


2009 - Die Brücke von der anderen Seite, mit Blick auf die letzten Reste des kurz zuvor abgerissenen Herrenhauses.

"Mittelhaus" der Orangerie

Irrtümlich wird von vielen vermutet, der Mittelbausei identisch mit dem Palmenhaus, das zur Überwinterung der im Herrenhaus aufgestellten Palmen gedacht war. Das "Palmenhaus" war jedoch ein eigener Bau am linken Flügel der Orangerie.


Für alle, die es genau wissen wollen - links das PALMENHAUS mit Dreieck gekennzeichnet, das, wie der gesamte Komplex, leider nicht mehr existiert.

Übrigens diente die Orangerie im Zweiten Weltkrieg und danach als Leichenhalle. Unseres Wissens nach, war das 1949 an Leipzig abgegebene Anwesen, wohl Lazarett.


Der Eiskeller - Ein Rest der "Wasserburg"

Einen interessanten Artikel zur "Wasserburg" und zur Vorgeschichte des Dorfes/Gutes Gautsch habe ich hier gefunden:

Erstmals urkundlich erwähnt findet sich das Dorf und der Rittersitz Gautzsch im Jahre 1216.  Überliefert, wenn auch nicht bewiesen, ist, das um 1028 in der Gautzscher Flur, neben dem Dorf, eine Königsburg als Wasserburg angelegt wurde. Diese hatte - als Rittergutshof - bis in das 18. Jhd. Bestand. Erst dann, um 1713, ließ der neue Eigentümer, der Leipziger Ratsherr Wolfgang Jöcher erste dokumentierte Umbauten vornehmen. Insbesondere unter der späteren Eignerfamilie Kees erfolgte die Umgestaltung der Gesamtanlage zu einem Gut mit Park im Stil des Neobarock.

Aus den Anfängen jener Wehranlage ist nicht viel bekannt. Seit irgendwann im 13. Jhd. (manche meinen auch: erst seit 1349) - genauere Angaben sind nicht ermittelbar - bis in das 16. Jhd. hinein, gehörte Gautzsch als Eigentum (Allod) der Familie von Pflugk. (...)
Nicht nur die Familie selbst verweist bei der Frage nach ihren Anfängen gern auf eine alte böhmische Legende, nach welcher ein böhmischer Bauer (der Sage nach der erste Pflugk), Mitglied des großen, königlichen Stammes der Premysliden, bereits im 8. Jhd. in den edelfreien oder gar gefürsteten Stand erhoben wurde.
Es gibt nur sehr wenige, fragmentarische Niederschriften, die Bezug auf die Wasserburg Gautzsch unter den von Pflugk im 13. und 14. Jhd. nehmen. Mehr Annahme als bewiesen ist, dass die auch heute noch vom einstigen Wasserlauf der späteren barocken Anlage umgebene Fläche (heute findet sich, neben einem sehr schönen neobarocken Gebäude, in dieser Parkanlage nur noch der Neubau des bekannten Kinderhospizes Bärenherz) im beginnenden Spätmittelalter die eigentliche Wasserburg und, quasi als Vorburg, einen großen Wirtschaftshof aufnahm.
Wie die Anlage im 14. Jhd. aussah, darüber kann man nur spekulieren. Allerdings scheinen einige Dokumente zu belegen, dass um 1330 Baumaterial für steinerne Ecktürme und eine neue Zugbrücke beschafft wurden. Ebenso sollen Backsteinziegel für das „Pflugkisch Gute ze Gautzsch“ in größerem Umfang geliefert worden sein.
Heimatgeschichtsinteressierte gehen davon aus, dass zur Zeit des Übergangs der Region vom Reichsland in die Mark Meissen (sukzessive ab 1307, nach der Schlacht von Lucka, bis in die 40er Jahre des 14. Jhd.) jene Wasserburg im Kern einen vermutlich kastellartigen, eher ziemlich quadratischen, mit Ecktürmen versehenen Grundriss aufwies. Die Gebäude von Kern– (Wehranlage) und Vorburg (Wirtschaftshof) dürften gemischt, teils als Fachwerkbauten, teils als Backsteinziegelbauten, teils als Bruchsteinbauten ausgeführt gewesen sein.
Da nicht einmal zweifelsfrei belegt werden kann, ob die von Pflugk schon um 1307 Herren von Gautzsch waren oder es erst ab 1349 wurden, ist es unmöglich, nachzuvollziehen, ob die Gautzscher Burgbesatzung im Kampf zwischen Reichsmacht und Partikularherrschaft des Fürstenhauses Wettin auf der einen oder anderen Seite gestanden oder sich gar neutral verhalten hat. Ab 1349 werden die Pflugk jedenfalls als treue meißnische Vasallen bezeichnet.
Einzig belegte Vorbesitzer der Wasserburg vor den von Pflugk soll schon seit der Gründung der Wasserburg das Geschlecht von Kutez gewesen sein. Es könnte sich dabei um eine der ursprünglich ansässigen sorbischen Edelfamilien (...) gehandelt haben. Solche wurden in den ersten Wellen der s.g. Ostbesiedlung durch die sächsischen Könige/ Kaiser (u.a. Otto I.) und die Salier (u.a. Konrad II.) durchaus, wenn sie kooperierten, in Amt und Würden belassen oder gar mit solchen erst betraut. Sollten die von Kutez eingangs des 14. Jhd. noch Herren von Gautzsch gewesen sein, ist es möglich, dass sie, als ursprünglich vom Kaiser-/ Königtum eingesetzte Lehnsherren, weiterhin dem Reich die Treue hielten und sich gegen die Übernahme des Reichsgutes durch die Wettiner stellten. Das würde auch erklären, warum zumindest ab 1349 für die Region um Knauthain und Großzschocher (beides heute Leipziger Stadtteile) sowie Gautzsch und Oetzsch (beides heute Stadtteile von Markkleeberg) die „getreu dem Fürstenhause Wettin ergebenen von Pflugk“ als Lehnsherren Erwähnung finden. Duldeten doch die Meißner Markgrafen im einvernahmten ehemaligen Reichland keine Reichstreuen, so sie sich nicht bedingungslos dem Hause Wettin unterwarfen. Heute (...) erinnert nur noch der alte, später ausgebaute Graben und manch Heimatkundliches an die einstige Wasserburg.

So schaut der Zugang zum Eiskeller auf Wiki aus. Das Bild muss schon etwas älter sein, ...

denn im Januar 2021 ist der Zugang versperrt und die Tür verschm... "bemalt"