Gautzsch - Körnerplatz - Endstelle

Zu Beginn gleich ein Vergleich von "damals" und heute.


Leider haben wir bei der Aufnahme nicht ganz den richtigen Winkel erwischt, weil wir aus dem Gedächtnis fotografiert haben. Wird aber nachgebessert. Das historische Foto ist übrigens der Webseite "Geschichte eines Markkleeberger Ortsteils in 8 Akten" entnommen, auf der noch viel mehr historische Fotos und Informationen zu finden sind. Unbedingt besuchen!

Uns war auch unbekannt, das es in Markkleeberg einmal einen Körner-Platz gab. Soviel wir jetzt in Erfahrung bringen konnten, handelt es sich dabei um die noch (zum Teil in Resten) vorhandene Endstelle der ehemaligen Straßenbahnlinie 28 (für alt eingesessene Markkleeberger) bzw. der Linie 9 (für die neu dazugekommenen) wendet dort der Bus.

In der Vergangenheit hatte dieser winzige Park eine Reihe von Namen. Zu Kaisers Zeiten, wie gesagt "Körner-Platz" - sicher nach Theodor Körner. Auf Postkarten aus der unseeligen Nazizeit wird der Platz auch als "Naumann-Platz" oder "Eduard Naumann Platz". bezeichnet. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um die Ehrung eines Jagdfliegers, obwohl dieser nach Wikipedia noch bis 2004 lebte. Ein anderer gleichen Namens wäre theoretisch auch möglich, obwohl kaum vorstellbar ist, dass die Nazis damals einen Theologen und Philologen mit einem Platz "beehrten".

Da der Rand des Platzes (auf dem oberen Bild der linke Neubau, der sich bis in die Mitte zieht) mit einem ehemaligen Rittergut bebaut war und nach 1945 auch hier die Verstaatlichung einsetzte, bekam der Platz die Postadresse "Am Volksgut". "Gut" war für den damaligen Bau auch der richtige Begriff, denn links neben dem benannten Gebäude begannen bis in die 70er Jahre hinein, die beeindruckend großen Felder.

Anfang der 80er Jahre zog in das inzwischen leer stehende Gebäude das "WTZ" ein, das "Wissenschaftlich Technische Zentrum" - letztlich ein großer Computer der damaligen Zeit. Bilder vom WTZ liegen uns leider nicht vor, nur auf ein Zeichen der Existenz sind wir gestoßen: einen leeren Briefumschlag mit Adresse


Eine Karte aus der Zeit mit dem Platz von der anderen Seite her gesehen, links der Blick in die "Geschwister-Scholl-Straße"

Das Denkmal auf dem Platz hatte sogar die DDR überlebt. Denn letztlich waren auf der nun leeren Seite keine kriegsverherrlichenden Sprüche oder Symbole abgebildet, sondern nur die Namen derer, die im Ersten sinnlosen Weltkrieg erschossen, verbrannt, zertückelt, zerrissen oder auf andere grausige Art zu Tode gekommen sind. Wer die Tafel noch kennt, wir bestätigen können, das nur allein aus Gautzsch mehrere hundert junge Männer "im Felde" eledig verreckt sind. Warum die Tafel geschliffen wurde, bleibt ein Rätsel. Vielleicht mag es am Datenschutz liegen oder an einem anderen mehr oder weniger sinnvollen Grund. Schändlich finden wir die Zerstörung allemal, denn Tote verherrlichen niemals Krieg oder Militarismus. Denn nach Platon haben "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen." Sie können uns aber nur noch mit ihren Namen warnen, den gleichen Schwachsinn nicht noch einmal zu versuchen. Deswegen wäre es wichtiger, die Namenstafel zu belassen, anstatt sie aus einem nichtigen Grund zu entfernen.

Die geschliffene Gedenktafel ohne Namen, umgeben von zwei kranken Koniferen als letztes Gedenken für einen nun namenlosen Sohn, einen Vater oder Bruder, der im Auftrag einiger "mächtiger" verreckte.

Noch mehr Bedeutung erhält die Vernichtung der Namenstafel, wenn man die Rückseite des Denkmals betrachtet. Leider lässt sich die Abbildung schlecht fotografisch einfangen, weil die Platten stark korrodiert und mit Patina überzogen sind. Vor einem Soldaten mit Schwert und Schild in der eindeutigen Uniform des Heeres von 1917 hockt eine Frau die Kind in den Armen hält. Ergänzt wird diese eindeutige Szene mit den Worten "Für uns"

Dieses Bildnis hinterlässt zusammen mit der entfernten Namensseite einen wirklich üblen Beigeschmack.

Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die meisten Frauen auch 1914 froh gewesen wären, wenn der Mann zuhause und nicht "im Felde" geblieben wäre.