Das "Schloss Rheinsberg"

Es ist an der Zeit, sich den unzähligen Vergnügungslokalen, Ausflugsgaststätten, Tanzhäusern und -dielen zu widmen, mit denen unsere Stadt geschmückt war, bevor sie begann ein Dasein als Schlafstadt zu fristen und die "verdichteten" Wohnungsbauformen Einzug hielten. Damals - also in der Zeit von etwa 1880 bis in die dreißiger Jahre hinein - sah man es als besonders gesundheitsförderlich an, wenn man "Licht, Luft und Sonne" erreichte. Es zogen also diejenigen, die es sich leisten konnten, in die "Trabantenstädte" wie Gautzsch, Raschwitz, Zöbigker, um nur mal die zu nennen, die an der Coburger Straße lagen. In diesen Zeiten bedeutete "Leben" wohl sicher mehr als heute, aus- oder zum Tanz zu gehen. Und so entstanden das Forthaus Raschwitz, das Schloss Rheinsberg, der Thüringer Hof, der Weiße Stern, der Dammhirsch und die Friedenseiche an der Coburger Straße und existierten dort in friedlicher Koexistenz vor sich hin.

Einem Haus wollen wir uns heute widmen, wahrscheinlich weil es etwa 150 m abseits der Coburger Straße lag und liegt, dafür aber wohl das "Erste Haus am Platze" war und etwa zwischen 1890 und dem Ende des WK2 als "Etablissement" existierte. Es ist das SCHLOSS RHEINSBERG.

Obwohl aufwändig restauriert, geht das impossante Gebäude heute ein der Reihe der Villen entlang des Ring ein wenig unter.

Doch erlangte das Vergnügungslokal nicht nur öffentliche Bedeutung. Es ist ein Beispiel für erfolgreiches Marketing. Denn kaum ein anderes Haus in Markkleeberg, vom Forthaus einmal abgesehen, wurde so oft auf Post- und Ansichtskarten abgebildet, wie RHEINSBERG.

Wenn man es weiß erkennt man es auch heute noch. Die sandige Straße ist der "Ring", auf der Wiese rechts im Bild stehen die DDR-Neubauten der Sonnensiedlung, im Rücken hat man den Lidl-Markt und links das besagte SCHLOSS RHEINSBERG mit Stallungen. Die Aufnahme müsste - kleinen veränderten Details am Bau - eine der ältesten Aufnahmen sein. Wir datieren auf ca. 1900.

Die Gegend um das SCHLOSS RHEINSBERG war bereits um 1890 von Villen belegt, wie fast ganz Gautzsch. Ein Zeichen das es den Menschen der damaligen Zeit wohl nicht so schlecht ging, wie man uns oft weiß machen will.

Natürlich hat die "einfache" Bevölkerung hier kaum einen Platz zum wohnen gefunden. "Licht, Luft, Sonne" waren wohl doch eher für die Wohlhabenden bestimmt. Die ärmeren Schichten "genossen" eher die damaigen Formen des "verdichteten" Bauens mit dritten und vierten Hinterhof. Damals vielleicht ein Blick in die Zukunft mit "urbanem Leben?"

Werbekarte von 1905 mit einem Blick auf den Ballsaal, von innen und außen

Klassisches "Marketing" auf der linken Seite, mit sehr viel Phantasie gezeichnet und coloriert. Ob sich die Künstler vom echten "Schloss Rheinsberg" inspirieren ließen?

Eine recht einfach Fotoaufnahme von der Realität. Wobei das Bächlein mit Schwänen, der kleine Wasserfall und die Wandeltreppen waren Realität - wenn auch in einer kleineren Dimension.

Dort ungefähr muss der Zugang zum Garten zu finden gewesen sein. Wir wollten das Grundstück nicht betreten, um einmal nachzuschauen, wie es heute dort wohl aussieht. Ob noch Reste zu erkennen sind?


Um 1940 erscheint das SCHLOSS RHEINSBERG völlig verändert. Aus dem Fachwerkhaus ist eine Villa geworden. Allerdings existiert die Tanzhalle noch, in der zu DDR-Zeiten eine der sogenannten "Arbeitsgemeinschaften" bzw. "AG's" untergebracht waren. Unseres Wissens nach (also nur "höchstwahrscheinlich") fummelten dort Jungs unter meist mißlauniger Anleitung von Physiklehrern an Leiterplatten und Transistoren herum, um Verstärker zu basteln mit denen sie die Mädels auf privaten Discos zu beeindrucken versuchten.

Ein Blick nach innen aus dieser Zeit. Wer nicht weiß, wo sich das Haus befindet, kann die kleine Karte zur Hand nehmen. Das wir auf dieser aber zwei Straßennamen - bewußt - gelöscht haben, kann sich sicher jeder vorstellen.


Geblieben sind vom letzten großen Umbau der auffällige Turm , ein Teil des damals entstandenen (für uns überproportionierten) Balkons und die Schornsteine. Ohne diese ausladenden "lange Nase" gewinnt das Gebäude an Ästhetik, finden wir ...