Großstädteln 29. November 2018

Für Großstädteln sieht es in meinem Fundus ziemlich dünn aus. Aber ein Bild habe ich, das eine kleine historische Zäsur zeigt. Den Abriss des Bahnhofsgebäudes. Nicht einfach zu erkennen, zumal es sich um einen Schnappschuss aus dem Auto handelt. Deshalb auch der leider etwas nervige Stich ins gelbe - wahrscheinlich sind die grün getönten Scheiben daran Schuld.

"Das sicherste Indiz für eine Krise des Landes ist der Verkauf des Eigentums des Staates oder der Krone."  Wir denken, dieses Zitat stammt von Friedrich II - auch der Große genannt. (Wenn es jemand besser weiß: wir korrigieren uns auch mal ;-)

Für alle, denen es nicht gleich auffällt, hier noch einmal vergrößert, das kleine Detail ...

Ob der Abriss des Bahnhofs von Großstädteln ein Anzeichen einer Krise ist oder nicht, kann ich nicht wirklich beurteilen. Ich frage mich nur, wieso die Bahnhofsgebäude, die allesamt zur voraussichtlich letzten Kaiserzeit erbaut worden sind, plötzlich nicht mehr gebraucht werden? Kann mich jemand darüber aufklären? Ist es die Technik, die die Gebäude überflüssig macht? Fehlt es irgendwem an Geld? Vorallem: Sind die Grundstücke und Gebäude vor 100 oder 150 Jahren ohne Beteiligung der damaligen Steuerzahler entstanden? Wer hat die Gelder für die Unterhaltung aufgebracht? Gibt es demnach eigentlich ein moralisches Recht, die Gebäude und Grundstücke zu verkaufen bzw. zu kaufen? Juristisch sind die Verträge mit Gewissheit exakt abgewickelt, aber sonst?

So sah das Bahnhofsgebäude im noch intakten Zustand aus.


Für geschichtlich Interessierte hat die Stadt auch eine wirklich wundervolle informationstafel aufstellen lassen, von der das rechte Bild (sw) und das folgende stammt. Von der Stirnseite (Perspektive Abriss) kann man sehen, das sich die Uhr "gewandelt" hat und die Beschriftung ausgetauscht wurde. Wahrscheinlich ist die Veränderung erfolgt, weil die Nazen 1937 Großstädteln nach Markkleeberg eingegliedert haben und nun statt nur "Bh. Großstädteln" der Schriftzug "Bf. Markkleeberg/Großstädteln" am Hause prangen sollte.

Warum und wann der Bahnhof seine seltsame dunkelgrüne Farbe erhielt, würde ich gerne wissen. Auf den sw-Fotos erscheint er noch heller, was darauf hindeutet, das er die Farbe erst zu DDR-Zeiten erhielt ... (vielleicht gab es gerade keine andere?

Die Mücke, die sich unerwartet und unerkannt mit auf das Foto geschlichen hat, gehört natürlich nicht zum Bahnhof. Aber am 25. Dezember ein solches Tierchen zu sehen, ist selten. Deswegen haben wir auf Photoshop verzichtet und sie dort belassen. Auf diese Weise geht die kleine Mücke für ihre nachfolgenden Generationen auch in die Geschichte ein ...

Die gleiche Treppe im Unterschied von 83 Jahren. Wieviele Menschen werden diese Treppe wohl in diesen Jahren jeden Morgen und jeden Abend betreten haben?