Die "Friedenseiche" in Zöbigker

Jeder und jedem der fragt, wo die Friedenseiche denn sei, können wir erklären, dass er oder sie bereits mindestens einmal daran vorbeigegangen ist, wenn in Zöbigker der Weg von der Koburger Straße zum See über die Hafenstraße genommen wurde. Vielleicht hilft dieses Bild weiter.

Die Aufnahme ist undatiert, mit Sicherheit aber vor dem WK2 aufgenommen. Allerdings deuten die Antenne(n) auf den Dach auf Rundfunkempfang hin, so das wir die Zeit um 1930 einschätzen.

Was aber ist, oder besser war, an der Friedenseiche so besonders, das wir uns ihr widmen? Nun, dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist, das es in der Zeit von 1890 bis zum WK2 ein "Etablissement" war, also eine der sechs wichtigsten hochgesellschaftliche Tanzhallen von Markkleeberg-West (Raschwitz, Gautzsch, Zöbigker) und gleichzeitig die südlichst gelegene. Anders ausgedrückt: die letzte Chance um einzukehren, wenn man Leizig hinter sich lassen konnte, bevor man Prödel erreichte; oder die erste Chance auf eine Romanze, wenn man aus Zwenkau/Prödel kam.

Eine Aufnahme vom Sonntag, dem 28. März 2021. Wenn sich auch das Haus verändert hat, ist der Ort doch ganz eindeutig zu identifizieren. Wenngleich wir den Datenschutzbestimmungen nachgekommen sind und die Nummerschilder der Autos unkenntlich gemacht haben - die Werbung lassen wir stehen, bis sich wer beschwert. Immerhin ist es ja die Aufgabe Informationen zu liefern.

Nicht vergessen werden soll aber auch die "Sage", nach der das Restaurant eine entscheidende Rolle bei der Besetzung Zöbigkers durch die Amerikaner im April 1945 gespiel hätte. Aber dazu etwas später.

Der heutige Grund für die Erwähnung des Etablissements ist eine uns in die Hände gefallene Zeichnung, die irgend ein Witzbold vor fast 100 Jahren verfertigt hatte:

Der "Künstler" ist uns nicht bekannt und mehr als "draufsteht" wissen wir auch nicht. Bemerkenswert ist dagegen, das die Zeichnung jemand für wertvoll genug befand, um sie aufzubewahren. Ihr oder ihm ist damit eine wirklich zeitgenössische Leistung gelungen. Außerdem haben wir versucht die Zeichnung zu verorten. Wir selbst gehören noch einer Generation an, die die Friedenshöhe "in Aktion" kennt und tippten deshalb auf diese als Austragungsstätte des Kegelabends. Folgende Fakten gaben dazu Anlass:

  • das Erdgeschoßfenster mit der Kuh / durchaus realistisch für Zöbigker zwischen 1924 und 1975, da gegenüber der "Kneipe" eine große Wiese bzw. Kuhweide war (heute befindet sich dort der Ausstellungsbereichs eines ehemaligen Autohändlers)
  • die Anordnung der beiden Fenster (eigentlich müssten es drei sein) und
  • die Tür neben den Fenstern, zwischen denen eine Ecke fehlt, die der Zeichner wohl vergessen hat.

Aber ehe jemand "Fähkjuhs! schreit: unsere Annahme ist eine ANNAHME die durch Wissende älterer Generationen erhärtet wurde und keine BEHAUPTUNG. Wenn jemand also der begründeten Meinung ist, es handle sich bei dem Austragungsort um den Festsaal des Dammhirsches so werden wir nicht streiten.

Ergänzt am 29.03. 2021: ein Bild vom Freisitz.

Weiße Tischdecken auf Gartentischen - ein Hauch von Noblesse! Wo gibt es heute sowas noch auf Freisitzen? Ein Deck"chen" vielleicht. Der Max muss damals ein sehr reger Wirt gewesen sein, der mit seiner Ausstattung den Kreislauf der Wirtschaft in Schwung gehalten hat. Wievielen Waschw..., ähm, Waschfrauen und Plätterinnen er wohl die Arbeit bezahlt hat? Und sicher hat er dann auch die Ehemänner am Stammtisch begrüßt, die das Geld ver...trunken haben. Naja.

Zum Abschluss noch eine colorierte Aufnahme oder Zeichnung von 1895. Auf den größten der drei Bilder ist die Friedenseiche, damals noch mit Windfang (links im Bild), zu sehen, daneben (das einstöckige Gebäude mit dem Dreieck) der kleine Feiersaal und rechts von der Mitte der langgezogene übergrünte Tanzsaal. Unseres Wissens gibt es diesen wohl heute noch.