Die Polizei - am 1. Mai

Wie jedes Jahr gibt es auch in diesem für die Polizei keinen Feiertag. Sie waren auf der B2, an unserer Ausfahrt, aufgestellt worden. Aus vereinzelten Meldungen im Radio war wohl der Zweck dieses Aufgebotes, "Interessenten" an "nicht genehmigten Demonstationen" vom Erreichen der Stadt Leipzig abzuhalten. Für die Arbeit der Polizei gibt es hier von uns ein "Dankeschön-Bild"

Bevor man uns nun verdächtigt, die Kundgebungen linker Gruppen und Gewerkschaften zum 1. Mai abzulehnen oder uns gegen die Forderungen zur Rückgabe der geringsten Grundrechte zu wenden - wir berichten, das ist alles. Wo unsere Sympathien liegen, ist offensichtlich: bei denen, die sich Gewalt und Zerstörung entgegenstellen!

Das man nicht umhin kann, die Ungerechtigkeit der Genehmigung auf der einen und des Verbotes auf der anderen Seite zu bemerken, ist eine andere Sache. Ein Staat, der es für sich in Anspruch nimmt, nicht nur besser als die DDR, sondern das "beste Deutschland das es je gab" zu sein, sollte sich auch dementsprechend verhalten. Selbst die auf ihren eigenen Erhalt so streng bedachte DDR hatte keine Polizei auf der bereits 1989 existierenden B2 (damals F2) positioniert, um Widerspänstige abzuhalten. Damals, im Wende-Herbst, war es für jeden möglich, die Stadt Leipzig zu erreichen.

Vielleicht liegt es aber gerade daran, dass die DDR auf ihren eigenen Bestand bedacht war. Man könnte sich niemals vorstellen, dass ein Honecker, Krenz, Mittag oder Schabowski gesagt hätte: "Also mit der DDR kann ich nichts anfangen." Robert Habeck, man erinnere sich - einst ein Kandidat der grünen Partei für die Kanzlerkandidatur - meint "Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht." Die offensichtliche Frage - warum er dann als Kanzlerkandidat antritt - hat ihm natürlich niemand gestellt. Dazu sind die Interviewpartner/-Innen*** im Fernsehen und der Presse zu systemtreu.

Solche Aussagen von Kandidaten für das höchste Amt im Staate sind wohl nur in diesem unserem Lande möglich. Was mit Herrn Biden im Wahlkampf passiert wäre, hätte er sich ähnlich geäußert, braucht nicht viel Phantasie. Von Macron in Frankreich garnicht zu reden. Oder Erdogan in der Türkei? Mit "Schimpf und Schande", wie Oma gesagt hätte, wären alle genannten davon gejagt worden. Vom Teeren und Federn in der USA ganz abgesehen. Doch der deutsche Michel stärkt mit seinen Wählerstimmen einer Partei den Rücken, die genau solche Politiker aufstellt. Die Frage ist, was erwarten sie von ihm oder seiner Partei? Das sie etwas, mit dem sie nichts anfangen können, weiterentwickeln? Das es "uns" besser geht? 

Radio Eriwan hätte gewisslich eine Antwort auf diese Frage gefunden: "Im Prinzip ist es unverständlich. Aber das ist ja kein Unterschied zur jetzigen Regierungschefin." Ob der bekannte Moskauer "Fake-Sender" damit auf der richtigen Spur ist, kann jeder für sich bedenken. Uns jedenfalls fällt nichts ein, was sich seit 16 Jahren in unserem Land positiv entwickelt hätte.