"Post voting society"

Es klingt gruslig, es klingt wie die Mutter aller Verschwörungstheorien: Die Abschaffung von Wahlen und deren Ersatz durch Daten. Doch nicht auf irgendwelchen Querdenker-Demos werden die Regierenden dieses Landes eines "gewissen Tuns" verdächtigt - sie veröffentlichen die Ergebnisse von Gedankenspielen selbst. Genauer das

  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) Stresemannstraße 128 – 130 10117 Berlin
  • Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Bonn Deichmanns Aue 31–37 53179 Bonn

Es lohnt sich, das ganze Werk zu lesen und seinen Emotionen (am heimischen Herd) freien Lauf zu lassen. Den einen, den Träumern unter uns, wird diese Vision der Zukunft vielleicht erfreuen. Den Realisten wird ein kalter Schauer über den Rücken laufen: Vergemeinschaftung und "optimale Nutzung" geben den Ton im Text an, der darin gipfelt, Demokratie und Wahlen durch Datensammlungen zu ersetzen.

Laut der von den o. g. erstellten Broschur "SMART CITY CHARTA - Digitale Transformation in den Kommunen nachhaltig gestalten" werden WAHLEN und DEMOKRATIE als "ersetzbar" bezeichnet. Wer es nicht glauben will, kann es auf Seite 43 nachlesen.

Wörtlich heißt es dort: "Da wir genau wissen, was Leute tun und möchten, gibt es weniger Bedarf an Wahlen, Mehrheitsfindungen oder Abstimmungen. Verhaltensbezogene Daten können Demokratie als gesellschaftliches Feedbacksystem ersetzen."


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Smart-City-Charta
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Heinrich Heine benannte in der Mitte des 19. Jahrhunderts (s)eine Gedichtesammlung aus der Zeit der Revolution "Erinnerungen aus Krähwinkels Schreckenstagen" und meinte damit zu wissen, was Schrecken ist. Falsch hat er gelegen. Gegen das was einigen Denkern von heute durch den Kopf geht, modern ausgedrückt, was "Think-Tanks" als Fortschritt anpreisen, sind die Jahre Heines wie Omas Erzählungen aus der alten Zeit.

"Da wir genau wissen, was Leute tun und möchten..." ist im Grunde der Ansatz zu Bestätigung der sogenannten "Verschwörungstheorien".

SIE rufen, man würde mit Demonstationen die Demokratie zerstören und haben bereits 2017 (!) ein Pamphlet zusammengeschrieben, in dem Demokratie als "ersetzbar" bezeichnet wird?

SIE konstruieren ein Datenschutzgesetz das kein Mensch verstehen kann, verteilen Bußgelder für Fotos mit unverpixeltem Kennzeichen, aber wissen genau was wir tun und möchten?


Heute wissen sie bereits, wer was gekauft hat. In Zukunft wollen sie mehr: "Sensoren können künftig bessere Daten als Märkte liefern." Sie wollen wissen, warum wir etwas kaufen. Sofern wir das überhaupt noch dürfen. Denn schließlich sollen alle mit allen teilen und Dinge gemeinsam nutzen. So soll ein Gebäude nicht mehr leer stehen, sondern optimal genutzt werden. Was unter optimal zu verstehen ist, ist eine Auslegungssache mit kleinstem gemeinsamen Nenner: der jemandem zustehende Bedarf, der dann, wie schon heute in unserem Lande, genau genormt ist. Für Autos, Maschinen, Geräte, Land ist ähnliches vorgesehen. Gemeinsame Nutzung ersetzt Eigentum, wohl bis auf die Unterhosen, denen hoffentlich eine Ausnahmestellung zuteil wird. Letztlich aber wäre die auch umgehbar, indem eine "nachhaltige geschlechtseutrale Einheitskluft" gefunden wird, die wie in China der Maozeit eine völlige Gleistellung aller ermöglicht.